Afrikanische Schüler*innen waschen sich an einer Wasserpumpe das Gesicht © CBM/Diemer

Trachom bekämpfen in Äthiopien

Weltweit sind rund 142 Millionen Menschen von Trachom bedroht. In der äthiopischen Amhara-Region kommt die Augenkrankheit besonders häufig vor: Mehr als 60 Prozent der Kinder von ein bis neun Jahren sind infiziert! Damit nicht noch mehr Kinder und Erwachsene an Trachom erkranken, sind die Mitarbeiter des CBM-Partners ORDA im Einsatz.

Rechtzeitige medizinische Hilfe rettet Augenlicht

Dürre, Bürgerkrieg und wirtschaftliche Probleme setzten dem nordafrikanischen Äthiopien schon im letzten Jahrhundert schwer zu. Die Gründung der äthiopischen Nichtregierungsorganisation "ORDA" (Organisation für Rehabilitation und Entwicklung in Amhara) im Jahr 1984 war eine Antwort auf die Probleme im Land. Bis heute bietet der Partner der Christoffel-Blindenmission (CBM) umfassende Hilfe für die arme Bevölkerung: Dazu gehört ein Wasserprogramm ("Water Resource Development Program"), das die Versorgung mit sauberem Wasser sichert – und damit eine Grundlage schafft, die in Äthiopien verbreitete Augenkrankheit Trachom einzudämmen.

Die hochansteckende, bakterielle Augeninfektion Trachom trifft vor allem arme Menschen, die in heißen Ländern unter schlechten hygienischen Bedingungen leben. In tropischen Ländern übertragen zudem Fliegen den Erreger, indem sie sich in die Lidwinkel setzen und die Augen infizieren. Im frühen Stadium kann Trachom mit der Gabe von Antibiotika bekämpft werden. Im späteren Verlauf hilft nur noch eine Augenoperation – manchmal kommt aber auch jede Hilfe zu spät und die Patientinnen und Patienten erblinden.

Um die Menschen in der Amhara-Region vor Trachom zu schützen, entwickelte die CBM mit ORDA ein umfassendes Trachomprogramm. Das Ziel ist, mit rechtzeitiger medizinischer Hilfe die Auswirkungen der Krankheit zu verringern und Ursachen wie fehlende Wasserversorgung und mangelhafte Hygiene zu bekämpfen.

Das CBM-geförderte Trachomprogramm basiert auf der SAFE-Strategie der Weltgesundheitsorganisation (WHO):

Trachom bekämpfen

Eine afrikanische Augen-Krankenschwester bereitet einen Trachom-Patienten auf seine Lidoperation vor. © CBM/Diemer
Ist Trachom bereits fortgeschritten, ist eine Lidoperation nötig, um die Patienten von ihren Schmerzen zu befreien.

Behandeln, operieren, aufklären – Augenlicht retten

Mobile Augen-Gesundheitsteams besuchen systematisch Dörfer und Ansiedlungen. Sie behandeln von Trachom bedrohte Menschen und klären sie über die Ursachen und Möglichkeiten der Vorsorge auf. Dabei arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eng mit den örtlichen Gesundheitsbehörden und -stationen zusammen. Bei den Einsätzen steht die Ausgabe von Antibiotika an infizierte Menschen ebenso auf dem Programm wie Lid-Operationen direkt vor Ort.

Zur nachhaltigen Trachom-Kontrolle sorgt zudem der Bau neuer Wasserstellen. Denn mit einer guten Wasserversorgung verbessern sich auch die hygienischen Bedingungen und die Verbreitung von Trachom reduziert sich. Ebenso wichtig ist eine möglichst flächendeckende Aufklärung über Trachom und die Bedeutung von Hygiene. Die Projektmitarbeiter schulen Gemeindehelfer und Lehrpersonal – durch diese werden auch schon die Jüngsten erreicht und lernen, wie wichtig es z. B. ist, die Wohn- bzw. Lebensbereiche von Menschen und Tieren zu trennen.

Die Hilfe im ORDA-Trachomprogramm

  • Äskulap-Stab

    268.552 Menschen wurden 2019 mit Trachom-Medikamenten versorgt.

  • Eine Figur abseit einer Gruppe mit drei Figuren

    90.692 Menschen wurden in Gesundheit und Hygiene unterrichtet.

  • Tropfen

    15 barrierefreie Brunnen oder Wasserstellen und 152.896 barrierefreie Latrinen wurden errichtet.

Ziel in Amhara: trachomfreie Waghimra-Zone!

Äthiopische Männer graben einen Brunnen. © CBM/Diemer
Hygiene ist ein wichtiger Faktor, um die Ausbreitung von Trachom einzudämmen – der Bau neuer Brunnen hilft dabei.

Für die nächste Projektphase wurden vier neue Distrikte in der amharischen Waghimra-Zone ausgewählt. Bis 2023 soll dort die Prävalenzrate bei Kindern bis neun Jahren auf unter fünf Prozent gesenkt werden.

Die Maßnahmen

  • Leiterinnen von Frauengruppen, religiöse Führungspersönlichkeiten, Dorfälteste, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen und andere Personen mit Einfluss werden weitergebildet und mit Aufklärungsmaterial versorgt
  • 110.000 Menschen erfahren alles über Trachomprävention durch effektive Hygiene wie richtiges Hände- und Gesichtwaschen, Benutzung von Latrinen u.ä.
  • 60 Anti-Trachom-Klubs entstehen an Schulen
  • 10 Regenwasserauffanganlagen werden an Schulen errichtet; das Wasser mit Trinkqualität ist wichtig für die Hygieneaufklärung für die Schulkinder
  • 4.500 Haushalte bekommen eine Latrine
  • 19 Brunnen, die auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich sind, werden gebaut

Erklärtes Ziel ist es, die Verbreitung von Trachom einzudämmen und dazu beizutragen, dass Trachom gar nicht mehr vorkommt!